Von Kois und Ausblicken: Zu Gast in der Sheats Goldstein Residence, Los Angeles




Vorweg sage ich: dieses Haus ist skurril und faszinierend zugleich. Meine erste Begegnung mit der Sheats Goldstein Residence sind Kois. Die Karpfen schwimmen unter mir, während ich über einen Steg aus Glas und Beton gehe, um in das Haus zu gelangen. Ich stehe direkt in der Küche und habe den Eindruck, als gäbe es in diesem Gebäude nur Glas, Leder und Beton. Und Holz. Und Modezeitschriften. Die Aussicht lässt Gutes erahnen. •


Generell frage ich mich bei so Einigem, wie das sein kann. Ob man nicht aus dem Fenster fällt. Oder ob man sich beim Toilettengang wirklich von links, rechts, oben und unten sehen will - es gibt nämlich ein komplett verspiegeltes WC. Und ein WC mitten im Raum, abgegrenzt nur durch halbhohe Wände, also komplett offen. Oder ob diese rotbraunen Lederoberflächen so gemütlich sind. Oder ob der Bewohner ständig ein anderes Model an seiner Seite hat - zumindest lassen das die Fotos in seinem Haus erahnen.
Die Antwort auf meine Fragen lautet: James F. Goldstein, der selbst schon  eine Attraktion ist. Stets in John-Galliano-Roben unterwegs und grundsätzlich etwas extraordinär angehaucht. So auch sein Haus, welches pure Selbstinszenierung und der bauliche Ausdruck für seinen Lebensstil ist.


In der Küche schweift mein Blick umher. Zeitschriftenstapel, Bücher über Mode, Kunst, Architektur und Basketball - überall. Am Bett des nur durch Glas abgetrennten Schlafraumes steht eine Plastikflasche mit Wasser, im Bad Duschgel von Nivea. Anzeichen dafür, dass hier tatsächlich jemand wohnt.
Obwohl er gerade auf Reisen ist und offenbar weiß, dass jemand kommt um das Haus anzusehen, sieht es aus, als käme er gleich zurück - James ist nämlich gerade in Paris, während ich in seinem Haus unterwegs bin.



Direkt von der Küche sieht man es schon - das wohl bekannteste Wohnzimmer der Welt. Der Drehort von The Big Lebowski, Drei Engel für Charlie und vieler Musikvideos. Doch anfangs interessiert mich das recht wenig, denn der Pool mit sagenhaftem Ausblick über Los Angeles überzeugt in ganzer Linie.
Zwei Klappstühle auf der Terrasse, wenn man das überhaupt so nennen kann, erinnern eher an den Italienurlaub, als dass man sie in einer vierzig Millionen Dollar Villa vermuten würde. Der Pool geht fast nahtlos in den Beton über und ist gesäumt von Pflanzen und dem auskragenden Dach. Im Hintergrund: Los Angeles.
Ich genieße den Moment, kann mich aber nicht damit anfreunden, diesen Anblick heute noch zurücklassen zu müssen.


Im Untergeschoss -das Haus betritt man von oben- geht es weiter mit Dingen, die man normalerweise nicht gewohnt ist. Fenster mit Ausblick in den Pool, das bereits erwähnte WC und eine Loungeecke mit sich öffnen lassenden Glasfronten direkt davor. Alles ohne Absturzsicherung, was sonst?
Im Raum ein langes Sideboard mit ausgefallenen Hüten und ein Kleiderständer mit einem silbernen Kostüm. Rechts und links davon: Zeitschriftenstapel.
Zwischen Sideboard und einer anderen Kommode steht ein weiteres Bett, direkt davor ein großer Flachbildfernseher. Die einzige Wand ist die mit den Fenstern zum Pool, der Rest ist verglast. Immerhin mit Textiljalousien versehen, falls man doch mal anonym bleiben möchte.


Das gesamte Haus scheint, als sei ein Dschungel um es herum gewachsen - das geht anscheinend im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Auf einem steilen Pfad, zwischen zahlreichen Monstera Deliciosa Blättern, die ich erst einmal aus dem Weg räumen muss, begebe ich mich nach unten zu einem weiteren Objekt und dem Ende meiner Hausbesichtigung. Sofern man "das" noch Haus nennen kann. 
Ich bin nun im Skyspace. Das Dach lässt sich, wie in einem Planetarium, zurückfahren. Eine Matratze, natürlich mit Lederbezug, ist in den Boden eingelassen. Ein Knopf wird gedrückt, eine Lichtershow startet. Später fährt das Dach auf.
Ich kämpfe mich den steilen Pfad wieder hinauf, das Auto wurde oben geparkt und der Mietwagen fühlt sich neben den Luxuskarosserien ganz schön schlecht.
Zum Schluss muss ich noch einen Blick auf den Tennisplatz werfen. Er haut mich um, obwohl ich Tennis nicht mag - es ist quasi der Infinitypool eines Tennisplatzes - aber hier oben würde ich auch gern spielen. Der Panoramablick über die Stadt: unbezahlbar. Im wahrsten Sinne des Wortes.  

Architekt: John Lautner, ab 1962
Adresse: 10104 Angelo View Drive, Beverly Hills CA 90210
Privathaus




2 Kommentare on "Von Kois und Ausblicken: Zu Gast in der Sheats Goldstein Residence, Los Angeles"
  1. Holy Shit, wie toll!!! Was hast du denn dort gemacht? Viele Grüße aus Bochum, Dani

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    1. ohje, nach hundert Jahren kommt die Antwort - ich dachte, ich hab das schon getan.
      Mein Professor in der Uni kennt einen Typen, der mit Goldstein befreundet ist und so konnten wir da rein. Mittlerweile hat er das Haus aber dem LACMA (LA County Museum of Art) gesponsort und man kann es wohl bald oder schon als normaler Touri besichtigen :D

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